Im Frühjahr 2015 hat sich das Ethikkomitee eingehend mit dem Thema Patientenverfügung befasst und möchte auch Ihnen Mut machen, sich persönlich mit diesem Aspekt der Vorsorge zu beschäftigen.

Wir hoffen, unsere Einschätzungen helfen Ihnen, wenn Sie Ihr Selbstbestimmungsrecht als Patient(In) für den Fall wahrnehmen möchten, wenn Sie Ihren Willen nicht mehr äußern können.


Im Fokus der ethischen Debatte über Patientenverfügungen stehen Fragen, die den moralischen und rechtlichen Anspruch des Patienten auf Selbstbestimmung betreffen ebenso wie Fragen nach der Fürsorgepflicht von Ärzten und Angehörigen. 


Patientenverfügungen stellen nicht nur Angehörige, sondern auch Ärzte vor schwierige Entscheidungen. Aufgabe des Arztes ist es Leben zu retten bzw. zu erhalten.


Viele Menschen stellen sich die Frage, ob sie bei schwerer Krankheit, wenn vielleicht die "Zeit zum Sterben" gekommen sein mag, von den Möglichkeiten der modernen Medizin noch einmal profitieren können oder ob ihr Leben bei einer möglichen Therapie "um jeden Preis" verlängert werden würde. Entsprechend und vielfach geäußert, man wolle nicht "an Schläuchen und Maschinen hängend" künstlich am Leben erhalten werden. Befürchtet wird ein Verlust der Selbstbestimmung und Würde.


Hatten die Menschen in früheren Jahrhunderten Angst vor dem "Scheintod" , so fürchten sie heute eher ein "Scheinleben" - in dem sie um den Preis schwerster Beeinträchtigungen am Leben erhalten werden.


Die Medizin steht im Spannungsfeld der Erwartungen, Wünschen und Kritik.


Es bestehen widersprüchliche Ängste:


Zum einen wird befürchtet, es werde im Zweifelsfall "zu viel" Medizin zum Einsatz gebracht - zum anderen wird befürchtet, es werde "zu wenig" getan und "zu früh" aufgegeben.


Es gibt inzwischen diverse Vordrucke für Patientenverfügungen. Besonders im Internet ist die Flut der Vordrucke und Empfehlungen kaum noch übersehbar und zu bewältigen. 


Wir möchten Ihnen dazu einige Hilfestellungen und Anregungen geben:

  • Eine Willenserkläung bedarf immer der schriftlichen Form
  • Zusätzlich ist es sinnvoll, ein Vorsorge- und/oder Betreuungsverfügung zu erstellen, in der Sie eine Person Ihres Vertrauens benennen.
  • Eine Patientenverfügung kann jederzeit von Ihnen ergänzt und natürlich widerrufen werden.
  • Tragen Sie einen Hinweis auf die Patientenverfügung bei sich (z.B. ein Kärtchen), damit diese im Bedarfsfall gefunden wird.
  • Versuchen Sie kurz, Ihre Lebenseinstellungen schriftlich zu formulieren oder besprechen Sie diese mit der Person Ihres Vertrauens.


Im Internet finden Sie hilfreiche Formulierungshilfen, die wir Ihnen gerne empfehlen möchten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):


  1.   "Patientenverfügung. Leiden, Krankheit, Sterben. Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin?" (Bundesministerium für Justiz) Hier wird übersichtlich und klar dargestellt, was Sie beachten sollten. Die Textbausteine helfen beim formulieren der eigenen Wünsche. Hilfreich finden wir zudem die aufgeührten Beispiele selbstformulierter Patientenverfügungen - mit einer persönlichen Beschreibung der eigenen Wertvorstellungen. Musterformular: Bundesministerium der Justiz
  2. "Nehmen Sie Ihr Selbstbestimmungsrecht wahr! Teil 1: Patientenverfügung (Sozialverband Deutschland) Musterformular: Sozialverband Deutschland
  3. "Christliche Patientenvorsorge durch Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Behandlungswünsche und Patientenverfügung" (Deutsche Bischofskonferenz, Evangelische Kirche Deutschland u.a.) Diese Broschüre arbeitet nicht mit Textbasteinen wie 1 und 2, sondern im Teil der auszufüllenden Unterlagen für Sie und für Ihre Vertrauensperson, können Sie Ihre Bestimmungen für die medizinische Behandlung durch ankreuzen kundtun. Der Nachteil bei dieser im ersten Augenblick einfacheren Variante besteht darin, dass die Verfügungen im Einzelnen nicht konkret genug sein können. Musterformular: Evangelische Kirche Deutschland